Arroganz der Macht

Ein Leserbrief von Andreas Wenger zur Berichterstattung über den städtischen Haushalt und zur Glosse Arroganz der Macht – (SZ vom 21. Februar):

Es ist ja nicht so, dass ich von unserem in die Jahre gekommenen Stadtrat allzu mutige und zukunftsweisende Entscheidungen erwarte. Aber der aktuell diskutierte Haushalt ist einfach nur beschämend. So schmerzhaft ist das Fehlen einer funktionierenden Stadthalle und eines Rathauses – wieder wird das Thema ohne jedes Ziel vertagt. So verheißungsvoll hat der Bürgerprozess zur Altstadterneuerung begonnen – kein Wort mehr habe ich davon gehört.

Teure Aktionen werden gestartet, aber dann nicht konsequent zu Ende geführt. Stattdessen wird trotz des Schuldenproblems weiter Geld für verkehrstechnisch fragwürdige Straßenbauprojekte verpulvert, die noch dazu unsere Natur schwer in Mitleidenschaft ziehen.

Doch auch im „Kleinen“ zeigen sich viele unserer Lokalpolitiker ideenlos. Engagierte Bürger weisen auf kreative und sympathische Art auf Missstände hin. Denken wir etwa an den Klappstuhl-Flashmob in der Altstadt oder das Schneeschippen am Busbahnhof. Bei der Politprominenz führen diese Aktionen jedoch selten zu Einsicht, sondern manchmal gar zu abfälligen Kommentaren.

Gleichzeitig treibt die Arroganz der Macht sonderbare Blüten: Beim CSU-Neujahrsempfang, wohlgemerkt einer Parteiveranstaltung, prangte auf der Leinwand das offizielle Logo der Stadt Schrobenhausen und Besucher durften sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Diese fragwürdige Verquickung von Kommune und Partei war weder in der Öffentlichkeit noch in der Presse auch nur einen Nebensatz wert. Das zeigt, wie sehr sich die Schrobenhausener schon an die Formel „Stadt = CSU“ gewöhnt haben.

Derweil hat sich die Opposition durch offensichtliche Nichtangriffspakte mit der CSU und durch peinliches Postengeschacher selbst gelähmt. Eine positive Nachricht zum Schluss: Die Mehrheit der Schrobenhausener scheint mit der Situation ganz zufrieden zu sein, sonst hätte sie den Stadtrat nicht vor Kurzem fast unverändert wiedergewählt. Beständigkeit steht hoch im Kurs, und Stillstand ist ja auch eine Form von Beständigkeit.

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